"Rukn ad Din",
„Dann bist du ja vielleicht meinem Vater begegnet, er ist sehr bekannt.“„ Er formt einen geschwungen Schnauzbart um seine Lippen. Ich kann mich leider nicht an ihn als einen Bewohner in diesem Viertel erinnern, durch dessen schmale Gassen ich mich jetzt in Gedanken noch einmal bewege:
"Er hat mir in seinem Raum Schutz vor der Sonne angeboten. Wasser kühlt meine Arme. Der Tee ist heiß und süß, wir rauchen eine Denver. Er sitzt auf Säcken voller Maiskörner, das einzige Mobiliar in seinem Vierquadratmeter-Raum, hoch oben am Hügel, wo die Gassen sehr eng sind und der beladene Rolli sich nur mit Mühe über die vielen Stufen bewegen lässt. Die Bewohner von Rukn ad Din begleiten mich. Eine Gruppe von Frauen lässt sich von einer junge Lehrerin die Botschaft meiner Mission übersetzen. Sie schütteln mir die Hand: „Thank you for coming to our street.“ Arafat lächelt von den Mauern. Ich freue mich über die unverhoffte Begegnung mit dem Palästinenserführer.
"Are you an Archäologist?" Die knöchellangen Gewänder sind blütenweiss. „Do you need any help?“
Unter ihrer rot-weißen Ghutra staunen mich die Scheichs freundlich an. Die kugelsicheren Westen am Bab Musalla Platz sind weit weg, die Militärs, die Waffen."Tagebuchauszug, Damaskus 17.4.2011
Mohamed ist 18 Jahre alt, das Zimmer im Heim teilt er mit seiner Mutter und drei seiner sechs Schwestern. Zwei davon leben schon lange in Berlin. Der Palästinenser mit syrischem Pass war einer der Clowns von „TRY TO LIVE“ , einer im Libanon aktiven Gruppe von Jugendlichen, deren Ziel es ist „to make a smile on the faces of children everywhere in the marginalized areas, schools and public place „1
Außerdem ist er Herrenfrisör.
Wir sind dabei Tetrapaks mit Rettungsfolie zu bekleben. „Ich kenne dieses Material“, sagt Mohamed. „Als uns die italienische Küstenwache aus dem Meer gerettet hat, wickelten sie uns in solche Decken.“
Das Gold der Folie glänzt in der Sonne.



