"Schrei nach Liebe" - Ihre seriöse Partnervermittlung für Liebe und deutsche Staatsbürgerschaft

07.11.2015 daHEIM

Werden auch Sie glücklich!

„Zineta“, sage ich , „lass uns doch eine Heiratsvermittlung aufmachen. Wir könnten jede Menge Geld verdienen“.

Die Atmosphäre im Zimmer ist heimelig: Hinter den Fensterscheiben verschwimmen die Konturen der Welt in nachtblauem Licht, es ist warm, Lisbeta, das Baby, schläft mit der Flasche im Mund zwischen Decken, eine schwangere Frau ruht im zweiten Bett. Zineta und ich sitzen auf den Bettkanten. Auf dem kleinen Tisch vor uns liegt ein mit Zahlen beschriebener Zettel. Drei- und zweistellige Beträge stapeln sich zu einer Säule, die die monatlichen Ausgaben beschreibt. Die Zahlen mit nur einer Ziffer und zwei Nullen gehen als größte Summe an die Anwälte. Die 36 steht für das Monatsticket für den öffentlichen Verkehr.

Zum Leben bleibt unterm Strich nicht genug.

Zinetas Zimmer, zu klein um all des Lebens Facetten aufzunehmen, wirkt wie das Innere einer Wahrsagerkugel.

Wir kichern – zweifelsohne wären wir fantastische Heiratsvermittlerinnen:

Attraktiver ER, 24/180, mit Charme und einem Lachen, welches jede SIE verzaubert. Sein Blick ist von samtener Trauer und seine Nächte sind oft schlaflos vor Sorgen. Weitgereist sehnt er sich nach einem normalen Leben, privatem Glück und Zweisamkeit. Er wünscht sich eine zurückhaltende Frau mit deutscher Staatsbürgerschaft zur baldigen Heirat. Sprachen: Engl./ Dari

Kontakt: fingerprint@schrei_nach_liebe.de oder I_hate_my_life@schrei_nach_liebe.de

Oder

„Wo bist du?“ Lebenslustige junge Frau aus dem Balkan sucht liebevollen, finanziell unabhängigen Mann mit Deutscher Staatsbürgerschaft zur Übernahme der Vaterschaft für ihr ungeborenes Kind“. 

Der Bittsteller, der für eine Bekannte eine gute Partie sucht, schaut uns von seinem Stuhl aus ungläubig an. Die Business-Idee mit der Heiratsagentur war ein Versuch gewesen seine Anfrage ironisch zurückzuweisen. Ob ich einen heiratswilligen deutschen Mann kennen würde, hatte er mich gefragt. Fordernde Untertöne schwangen mit.
Die meisten, die mich vor ihm in gleicher Angelegenheit aufgesucht hatten, suchten nach Bekanntschaft mit einer heiratswilligen deutschen Frau. Die Nachfrage nach Männern war deutlich geringer.

Entgegnete ich den Drängenden mit größtem Unbehagen, "Was denkt ihr euch? Wo soll ich die hernehmen?", zeigten sie sich verständnislos für meine Zurückweisung.

Ich muss Brotbacken, sagt Zineta.
Aish*. Brot, Leben und Liebe in Zeiten der Abschiebung.


*Aish: ägyptisch-arabisch: Brot, Leben