"Siamo famiglia" - "Es gibt kein Glück"
Seine Muttersprache ist es nicht. Als Zehnjähriger hat er den Weg übers Meer genommen. In Italien ist er erwachsen geworden. Mit 24 Jahren hat Faris eine Geschichte, die für drei Leben reicht. Seine Gesichtzüge sind weich, die Narben, die seine Arme zeichnen, 9mm breit. Er ist ein Neujahrskind, für den die Eltern den Vornamen mit der Bedeutung "der Reiter" gewählt haben.
Als wir um 22.30 den Frühjahrsempfang der SPD verlassen, strahlt er: "Sono felice".
"Kein Glück, es gibt kein Glück". Niemand konnte den Worten Serdars etwas entgegenhalten, als wir am Nachmittag da standen, unsere Arbeitsgeräte in der Hand, und der Satz sich wie ein Kondensstreifen in den Himmel malte.
Am Ende dieses Tages spüren wir alle einen Hauch von Glück. Nach vier Wochen haben wir das Gelände des Heimes verlassen und sind in die Öffentlichkeit getreten, unübersehbar mit unserer Kleidung mit weithin sichtbar aufgebrachtem Label KUNSTASYL, die Farben zwischen Handwerk und Guantanamo.
Die Aktion ein freundliches Stören. Wir nehmen den Raum ein, den uns Raed Saleh und Christian Hass, Fraktionsvorsitzende der SPD, auf ihrem Fest anbieten. Wir schütteln dem Bürgermeister von Berlin die Hand. Wir reden, wir feiern mit und feiern nochmehr den Moment, der für uns als Gemeinschaft KUNSTASYL, die wir am begründen sind, ein besonderer ist, wir begießen ihn und stehen Red und Antwort.
Auch wer uns keine Fragen stellt, kommt augenscheinlich dennoch nicht an uns vorbei.
Die Freude von Dakel, Faris und Serdar, die hier ihr Gesicht zeigen für die Geflüchteten und Asylsuchenden, bleibt aber immer Oberfläche. Darunter liegt ihr Schmerz, immens und brennend in der Nacht.
Als wir uns trennen, schiebt Faris seinem Empfinden eines momentanen Glücksgefühl noch hinterher: "Siamo famiglia".
KUNSTASYL auf dem SPD Frühjahrsempfang | Am Rednerpult: Franktionsvorsitzender Raed Saleh & Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller

















