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17.05.2015 daHEIM

Ob er dachte, er halluziniert, als ich am Samstagmorgen um 8.40 vor seinem Tisch stand, im blausamtenen Nachtkleid, mit Wanderschuhen an den Füßen, ihn schmaläugig um den Schlüssel für die Toilette bittend und drei Minuten später um ein erfrischendes Tässchen Nescafé.

Wachmänner sind Stoiker. Er lächelte, reichte mir den Schlüssel um weitere zehn Minuten später mit Blick auf meinen pinkfarbenen Waschlappen zu konstatieren „Jetzt waschen“.

Die Sonne schien am Morgen unseres „Welcome Days“. Bei klarem Himmel hatte ich um 3 Uhr nachts die Türe des Bauwagens hinter mir geschlossen. Ob ich würde schlafen können, in diesem zum Erinnerungsraum gestalten Innenraum des KUNSTASYL-Bauwagens, zwischen Bildern und Objekten der Bewohner, die von einem Leben vor Bohneneinschlägen und schweren Entscheidungen zur Flucht nach Deutschland erzählten. Zwischen den Schuhen von Latif unter einer Glasvitrine und dem Abbild solcher auf einem Foto an der Wand: Schuhe von Dakel, die seine Fußsohlen schützen auf dem Weg vom Shingalgebirge nach Berlin. Am Kopfende des Bettes ein zum Poster vergrößertes Portrait von Ab Elrahmann. Bewegte ich den Blick nach links, begegnete ich Hameed in Kabul, nach vorne gerichtet fiel er auf die Vitrine mit dem Teddy von Vlato, der bei seiner nächtlichen Abschiebung zurückblieb. In Fehlfarben leuchteten die zwei kleinen Bilder einer zerborstenen Wohnzimmereinrichtung und des zum Schlund aufgerissenen Asphaltes der Bagdadstraße, einst Wohnsitz der Familie Mounem in Damaskus.

Ich schlief gut. Ich schlief wunderbar währen der wenigen Stunden bis zum Aufstehen und der Begegnung mit Sham, die in ihrem Pyjama vorsichtig um eine Gebäudeecke des Heimes lugte. Wir tauschten einen lautlosen Morgengruß. Ob das Zucken in Zlatans Mundwinkeln ein Lächeln bedeutete, als er mich über den Hof stiefeln sah, verriet der Blick aus seinen mongolisch anmutenden Augen nicht.

Es war weit nach Mitternacht, als Khaled seines Amts waltete und die beiden in der Küche des ersten Stockes Backwerk produzierenden Damen Ruschka und Zineta bei ihrer Arbeit fotografisch begleitete.

Dakel und ich verlegten Kabel und Teppich. Aymen sägte selbstbestimmt vor sich hin. Um 17 Uhr hatten wir noch einmal die Performance auf dem roten Teppich geprobt – Mohamed Firas' Weg von Lybien nach Italien, endend auf den letzten kriechenden Metern ins HEIM.

Um 14.55 sah alles schön aus. Unser Hofgarten war deutschgerecht gerecht, die Bettbezüge schrieben ihr daHEIM an die HEIMfassade.

Um 15 Uhr setzte Regen ein.

„Is egal“ pflegt die 8-jährige Melisa in solchen Situationen zu sagen.

War irgendwie egal.„...es war warm in der Kälte“, schrieb mir am Tag nach unserem Fest eine Besucherin.

Eine andere aber auch ...“ das war sehr eindrücklich, was ihr im KUNSTASY geschaffen habt […].

Sheriff-Deen, selbst ein unbegleiteter jugendlicher Flüchtling aus Togo, hat davor noch nie ein Flüchtlingsheim gesehen und empfand seine Situation im Vergleich dazu als nahezu paradisisch.“

Der Weg von daHEIM nach zuHAUSE ist weit!

Ruschka und Zineta

Ruschka und Zineta

Erinnerungsraum

Erinnerungsraum