Garten der Träume
Mariam hat die Frucht gewählt, welche in der chinesischen Kultur als Symbol für die Sonne und das Glück steht. An dem buntgemusterten Rucksack, der ihre Pflanze beherbergt, hängt ein Etikett, auf dem sie ihren Traum notiert hat. Sie möchte Ärztin werden. Sie, die soviel Leid erfahren hat, möchte heilen - den Schmerz der anderen und vielleicht auch ihren eigenen.
„Der Schuttabladeplatz Meer, die mit Stacheldrahtverhauen überzogenen Küsten, die gepellte Erde, die Massengräbererde, die Leichenhaufen, die verschlammten Flüsse, die übelriechenden Städte" - drastisch beschreibt der französische Schriftsteller Georges Perec den uns umgebenden, unbewohnbaren Raum. Er beschreibt die Linien, die diese Räume abgrenzen: „Millionen Menschen sind wegen dieser Linien gestorben. Tausende von Menschen sind gestorben, weil es ihnen nicht gelungen ist, sie zu überschreiten“. Perec schrieb das 1974 in seinem Essays Träume von Räumen. Daran hat sich nichts geändert. Nur dass das Meer heute nicht mehr nur Schuttabladeplatz ist, sondern auch Massengrab.
Yassir, Amer, Ali, Mawlud, Sherin, Inam, Mohammad, Ali und Assil, Tasnim, Said, Diwali, Mohammad H., Yassin - sie und alle anderen, die an diesem Donnerstag im Museumsgarten pflanzen, haben die Erfahrungen des Verlustes von Raum und tödlichen Grenze in den letzten drei Jahren gemacht.
Die Saat ihrer Pflanzen haben sie in Koffer und Reisetaschen verstreut. Die Blüten ihrer Blumen ragen aus Tüten, Taschen Rucksäcken. Ihren Träume haben sie auf dem Beipackzettel niedergeschrieben. Noch steht er auf einem Stück Papier, noch fehlt der Raum, ihn zu leben. Die, die pflanzen, sind noch nicht angekommen.
„Deutschland ist ein schönes Land. Ich möchte hier bleiben, dass ich mein Leben erfolgreich weiterführe. Ich möchte hier arbeiten.“, der Syrer Yassin steht noch im Wartesaal der neue Heimat, Marsildas Traum, für den ihre Rose blüht und von der Schönheit des Mädchens spricht, welches Model werden möchte, hat sich nicht erfüllt. Ihre Familie musste Deutschland verlassen. Mohammed Ahlkatib wünscht sich eine Wohnung für sich und seine Familie am Herrmannplatz.
Friedlich und sehr schön, sei dieser Garten, beschrieb eine flanierende Museumsbesucherin den Ort. Er hätte sie aber auch an eine Friedhof erinnert. Die Erde, aus denen Blüte tragende Pflanzen herausragen, ist getränkt von schmerzhafter Erinnerung. „Zurückkehren nach Palästina und da in Frieden leben“, möchte Amer. Auch Schmerz braucht seinen Raum.
DaHEIM in Spandau kann man auf einem der massiven Balken eines Dreibeins, auf dem die KUNSTASYLflagge flattert, eingebrannt in vier Sprachen lesen „Utopia Garten“. Ein kleines Stück Raum hinter einem Zaun wurde benannt und zum gedanklichen Freiraum erklärt.
Räume kann man erfinden. Auch Räume für Träume.
"Leben", schrieb Perec,"Leben heißt, von einem Raum zum anderen gehen und dabei so weit wie möglich zu versuchen, sich nicht zu stoßen."
Aber manchen tut das Leben sehr weh.
Zitate aus: Georges Perec: Träume von Räumen. Berlin 2013
Von einem Raum zum anderen gehen - Garten der Träume im Museum Europäischer Kulturen Berlin. Die beflanzten Schuhe symbolisieren Christians Traum, von einer Welt in der die Menschen sich als Menschen begegnen.
Mariams Mandarinen Baum - die Frucht gilt in der chinesischen Kultur als Symbol der Sonne und des Glückes
Suche nach der passenden Tasche für die Wunschpflanze. Vorne rechts: Die Kustodin des Museums Europäischer Kulturen, Dagmar Neuland-Kitzerow
Links im Vordergrund Andrea Ferchland, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Staatlichen Museen. Sie hat den Wunschzettel mit Pflanzen- und Blumenwünschen von über 40 Menschen von Gartencenter zu Gartencenter abgearbeitet.
Aymen überreicht die gewünschten Pflanzen gemäß Liste. Mohammad und Iman haben sich Jasmin und eine Damaskus Rose gewünscht. Die schwere und stark duftende Rosa Centifolia ist in Berlin im Handel nicht erhältlich.
"Eine blonde Deutsche Frau zu heiraten", davon träumt er, der in Yarmuk, einem Palästinenser Camp in Damaskus lebte bis zu seiner Flucht.
Der Syrer Yassin möchte bleiben: "Deutschland ist ein schönes Land. Ich möchte hier bleiben, dass ich mein Leben erfolgreich weiterführe. Ich möchte hier arbeiten."
Mustafa, Yassin, Rami, Said, El Azid und Amer - Viele Räume haben sie durchschritten, den ihren noch nicht gefunden.
Er träumt davon, den verlorenen Raum wiederzugewinnen: "Zurückkehren nach Palästina und da in Frieden leben."
Blühende Repräsentanten der Träume der Syrischen Familie Alkhatib: Mohammad träumt von einer Wohnung für seine Familie in Berlin. Traumlage: Herrmannplatz
Beide wünschen sich Frieden für die Welt. Mawluds Traum Busfahrer in Berlin zu werden, ist in Erfüllung: Im September beginnt er seine Ausbildung in einem Berliner Busbetrieb.
"Ich hoffe, dass das Ende des Krieges in meinem Land und das Blutvergießen unschuldiger Menschen zu stoppen und jeder lebt in Frieden", ist Ramis Traum.
"Ich wünsche mir mehr Toleranz auf dieser Welt und dass die Menschen das Verständnis und Mitgefühl füreinander nicht verlieren!!!",
Alina Hellwig, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums kennt Flucht aus der eigenen Familiengeschichte. Sie selbst wurde in Semiosjornoje, Kasachstan geboren.
Bereket befestigt seinen niedergeschriebenen Traum an seiner orangefarbenen Blume: Er möchte seine Eltern wiedersehn. Wie sein Bruder leben sie nach der Flucht aus Eritrea in Khartum. Bereket träumt von einer Heirat und einer Familie mit fünf Kindern.
"My dream is to take a Residence Permission in Germany. I want to live here. To work here and to begin a new life. Albania is my love. I will never forget it. But I can't accept what it offers to me." Serxhio ist 16 Jahre alt und stammt aus dem albanischen Vlorë.
Pranvera mit roter Rose. Die wichtigsten Werte im Leben siedelt die Mutter von Serxhio und Laura jenseits materieller Güte an.
"A truely hyperdivers European Normality" lässt Léontine Meijer-van Mensch, stellvertretende Direktorin des MEK, aus der Tüte wachsen.
"Actually I don't believe dreams or I think that I'm tired of keep dreaming. Like waiting someone to bring those things that you are dreaming about. In my opinion should do it or keep calm. Don't think far away. Use your mind and your energy for things possible. Life goes on. The war will never stop. Hope the best for all."
Die Direktorin des MEK's, Elisabeth Tietmeyer hat einen Traum: ... Dass unser Museum offen für alle Menschen ist"




















































