"Hast du denn noch ein paar Schuhe zuhause?"
Mohamed fing mein bejahendes Nicken auf. „Na also, wo ist denn dann das Problem. Dann kannst du doch barfuß nachhause gehen“.
„Mit Schuhen geht das besser“, hatte schon Bereket geraten, als ich eben ohne solche entlang eines „Korkes“, also eines jener 17 Kieferpalisaden, die den Unterbau seines Daches bilden, zum Giebel kletterte. Bereket arbeit in knöchelhohen Nike-Turnschuhen. Das schöne Chliché, dass Afrikaner alles barfuß tun, war dahin und die einzige, die jetzt den Weg durch die Stadt von Dahlem bis Neukölln ohne Schuhwerk zurücklegen musste, war ich.
„2016 habe ich mein erstes Dach in Deutschland gebaut“, so soll die letzte Zeile in Berekets Lebenslauf lauten, der seine Arbeit ergänzen wird. Seit Mittwoch errichtete er im Team mit Aymen und vor wechselnden Zuschauern und begleitenden Handlangern ein Dach, so weit wie möglich genau so, wie er es zehn Jahre lang in der Gegend um Ghergef im Süden Eritreas gebaut hatte.
Draußen im Garten raschelte das Stroh, in den Betten der Sonderausstellungsräume flüsterte es. Lange unterhielten sich die Besucher mit denjenigen, die an diesem Samstag die Bettkante mit ihnen teilten und die monatelang auf ebendiesen dünnen Matratzen in temporären Unterkünften Schlaf suchten.
Neben Said - Maschinenbau-Ingenieur aus Aleppo und sehr um seine Familie bangend an diesem Tag heftiger Bombardements der nordsyrischen Stadt - saß Eliza, neben Mawlud Sam aus Vermont. Das Bettgeflüster des kurdischen Syrers und des Amerikaners endete in einem gemeinsamen Votum für Hillary Clinton als nächste US-Präsidentin. Den Gesprächspartner von Dachil beschäftigte die Frage nach der gesellschaftspolitischen Wirkung von Projekten, wie ebendiesem sehr. Er hatte an diesem Nachmittag seit zehn Jahren das erste Mal wieder Museumsräume betreten. Zu sehr waren sie ihm als Archivierungsorte eines konservativen Gesellschafts- und Kunstverständnisses erschienen.
Zwischen alledem drehte Mohamed seine Runden. „Ali, du bist ja auch hier“ - begeistert begrüßte Hameed den so gut Bekannten, der an seinem freien Samstag das performative Geschehen im Museum begleitete und den man sonst im Dienst der Sicherheit an seinem Tischchen im Flur der Gemeinschaftsunterkunft in der Staakener Straße antreffen konnte, Besucherausweise kontrollierend und die Waschmaschinen in Gang haltend.
Um 16 Uhr wünschte Mohamed einen Kaffee. Als ich ihm einen Pappbecher reichte - heiß, schwarz und süß -, sagte der Mann mit Blick auf Christian, der wiederum an fast allen Samstagen seinen Dienst als Aufsicht im Museum Europäischer Kulturen mit uns verbingt, „Bring dem Kollegen doch auch einen“.
DaHEIM im Museum.
Im wahren Leben braucht Bereket dringend eine Wohnung oder ein Zimmer in einer WG!
KUNSTASYL arbeitet jeden Donnerstag und jeden Samstag von 12-18 Uhr im Museum Europäischer Kulturen. Besucher sind willkommen!
Bereket beim Bau eines Agedos. In Eritrea lebte eine Famile darunter, hier im Museumsgarten ist es Symbol des verlorenen Daches über dem Kopf.
Diwali bezieht Betten. Wo Kumrije heute mit ihrer Familie schläft, ist nicht bekannt. Der Asylantrag der Familie aus dem Kosovo wurde vor einigen Wochen negativ beschieden.
Kollegen: Mohamed, "Security" in der Gemeinschaftsunterkunft in Spandau und Christian, Museumsaufsicht im MEK
"Hello Kitty" - Die Puppe blieb im Zimmer von Ruschka und Milan zurück, als das serbische Paar Berlin verlassen musste.




























