"Welcome"

17.02.2015 daHEIM

Die Frau ist am Kochen.

 "Welcome", sagt sie und lächelt uns an. Ihre Züge sind weich, das rundliche Gesicht glatt. Sie hat erwachsene Kinder, demnach muss ihr Alter deutlich höher sein, als ihr Aussehen vermuten lässt. Sie kommt aus Syrien.

Aymen spricht mit ihr, die Frau hält Kochlöffel und Einladungskarte in der Hand. Wir stehen im Flur des zweiten Obergeschosses des Wohnheimes für Asylsuchende und Geflüchtet in der Staakener Straße in Spandau. Ob sie zur Veranstaltung kommen kann am 24.2., weiß sie noch nicht. Gerne möchte sie dabei sein, aber ihr Mann liegt im Krankenhaus. Wir klopfen an der benachbarten Türe. Ein Mann öffnet. „Sprechen Sie deutsch, englisch, französisch, arabisch?", fragen wir. "Kurdisch", antwortet er. Sprachverwirrt stehen wir uns gegenüber. Die Syrerin kommt aus der Küche, stellt sich ihm dicht gegenüber und fragt, "Do you speak english?". Es ist eine kostbare Sekunde Erlebens an diesem Tag, an dem wir ins Heim gekommen sind um einen Erstkontakt zu den Bewohnern herzustellen und sie zur "Auftaktveranstaltung" am 24.2. in den Aufenthaltsraum einzuladen: Die Syrerin versucht dem Kurden zu helfen, uns zu verstehen. Er lächelt. "Warten eine Minute", bittet er, "dolmetsch". Im Heim existiert ein informeller Übersetzungsdienst. Ob Urdu, Albanisch, Kurdisch oder Serbisch – die Bewohner rufen sich über Handy zu Hilfe. Ein paar Türen weiter stellt ein Herr aus Afghanistan die Sprachbrücke zwischen uns und einem Bewohner aus Pakistan her.

Zehn Minuten nachdem Faris sich eine Einladung vom Stapel auf dem Arbeitstisch des Wachmanns genommen hatte, öffneten sich die Türen auf allen Fluren, ein Schwirren erfüllte plötzlich die Räume, die vorher jenseits gedämpfte Tritte keinen Laut hören ließen. Aufgeregtes Getummel um uns herum. Unentwegt wiederholen wir unsere Vorstellung, synchron in den drei Sprachen deutsch, englisch, arabisch.

Nach drei Stunden sind wir durch, fröhlich und erleichtert. Ein erster Schritt ist getan, ein erstes Lächeln und ein erster Blick ausgetauscht. Durch die Türen ehemaliger Büroräume eines Gesundheitsamtes haben wir einen Blick auf das Wohnen im Provisorium geworfen - mit Stofftieren auf den Fensterbänken und künstlichen Blumen.

Wir bereiten uns auf den Termin am 24.2. vor.

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