"Wollen Sie die alle?" -
Es ist Samstag 11 Uhr und ich bin dabei mir 15 paar Unterhosen zu kaufen- eine Handlung zwischen Übersprung und Bedarf. "Mach doch mal was ganz anderes am Wochenende" hatte mir Aymen Freitagabend geraten, als wir uns verabschiedeten und er sah, wie der Boden unter meinen Wanderschuhen schwankte. Warum also nicht einfach mal neue Unterwäsche kaufen.
"KUNSTASYL - was ist das?", Herr Zafers Blick fixiert konzentriert den Schriftzug auf der Visitenkarte, die ich ihm überreicht habe, verbunden mit der Bitte, mich anzurufen, sobald eine gute gebrauchte Stichsäge das Sortiment in seinem Ankauf-, / Verkaufgeschäft bereichert. "... und wie verständigen Sie sich?", fragt er interessiert, als ich ihm skizziere, was KUNSTASYL werden möchte. Ich erfahre, dass die Wurzeln seiner Familie väterlicherseits in Syrien liegen, der Urgroßvater in die Türkei eingewandert ist und er noch sehr jung in den 70er Jahren mit dem Vater der Mutter in den Schwarzwald folgte. Zwei Urlaube müsse er machen im Jahr. Einen in der Türkei und einen im Schwarzwald. Er habe zwei Heimaten. Während Herr Zafer spricht, denke ich über die Pluralform von Heimat nach und verstaue dabei zwei Hämmer, einen breiten Schlitzschraubenzieher, einen Tischtennisschläger und meine Trophäe, eine golden lackiere Bohrmaschine in meinem Rucksack. Ist Heimat im Plural überhaupt vorgesehen?
"Aber für die Deutschen bleiben wir sowieso Ausländer". Die abschließenden Worte von Herrn Zafer vermischen sich mit dem Gebimmel der Türglocke.
